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  • 30. Ein Reiseführer für die Heimat

    Die Monotonisierung der Welt aus der Sicht des globalen Touristen

    Hat der europäische Mensch in der Welt noch genug Vielfalt übrig gelassen, die er nach einem Langstreckenflug als Tourist besichtigen könnte? Mit dieser Leitfrage im Hinterkopf halten wir im Geiste des Menschheitsschutzes (nicht Klimaschutzes) Reiseformen für zukunftsfähig, die den geografischen Ortswechsel auf ein Minimum reduzieren – oder ihn ganz tilgen. Welchen Wert hat trotzdem die Fernreise? Warum reist man überhaupt und aus welchen Gründen sollte man auch heute noch reisen? Welche Fremdheitserfahrung ist falsch, welche ist unvermeidbar, und welche lassen sich wirklich nur in anderen Ländern machen? Wie aber entkommt man den gelenkten Massenströmen des globalisierten Tourismus, wie weicht man von der pauschalen All-inclusive Route erfolgreich ab? Und wie ist Herr Schmitz davon zu überzeugen, dass sein Leben mehr hergibt, als ein Billigflug nach Malle verspricht? Die Monotonisierung der Welt ist der Globalisierung oft und zurecht angelastet worden. Wir klagen sie erneut an, beklagen sie und können doch nicht anders, als uns nach Italien zu sehnen. Denn wir haben alle ein tiefes Bedürfnis nach Fremdheitserfahrungen. Der Tourismus raubt uns leider meist schon die Chance auf ebendas, was er selbst verkäuflich machen will. Jenseits der Sehenswürdigkeiten liegen aber trotz allem noch andere Pfade, in denen wir andere Leben beschnuppern dürfen, die uns unserer Heimat atmosphärisch entheben und uns so erheben können – wenngleich nur auf Zeit.

    Lektüreempfehlung:
    Gerade erschienen! Paramoderne. Anselm Feuerbachs »Gastmahl des Plato« und die Tragödie der Kunstreligion von Florian Arnold.

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  • 29. Der Weltbrand

    Mit Sloterdijk von prometheischen Peinlichkeiten zur globalen Brandstiftung

    Interview-Coup! Slavoj Žižek war bei uns zu Gast. Außerdem: Lachen & Weinen berichtet von der phil.cologne. Lachen & Schmelzen hat Sloterdijk gelesen. Es ist endlich mal wieder eine bunte Folge geworden. Den unverständlichsten Satz der Woche liefert Marx. Und Maxim Klusch hat für die 10. Popmusikanalyse die deutschen Charts gehört. — Sloterdijk reduziert in seinem neusten Essay die Geschichte unserer Spezies auf die Pyrotechnik. Auch in Zeiten, als Chinaböller noch nicht erfunden waren, fackelte der Mensch Sachen ab; vorwiegend Bäume. Und wir lernen, dass die Waldbrände gegenüber dem Weltbrand das geringere Übel wären. Doch wir brennen bereits seit 250 Jahren die Urwälder ungeheurer Vorzeiten ab, die wir eigentlich hätten in der Erde lassen sollen. Ob Sloterdijk dabei subtil eine FDP Agenda verfolgt (ja), ob es seine rechtsliberale oder ökolinke Wende bedeutet – hin oder her! Er bleibt der geistreichste, lebendste – also noch lebendige – Rhetoriker.

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  • 28. Tiefenökologie und Ökosophie

    Arne Næss' ökophilosophische Programmatik

    Lachen & Schmelzen widmet sich einem Grundlegungsversuch und -dokument der Ökobewegung. Der norwegische Philosoph Arne Naess entwarf 1972 die einflussreiche Tiefenökologie (er unterschied sie von der flachen Ökologie), mit deren Hilfe er eine ökologische Philosophie, die Ökosophie begründen wollte. Neologismen waren nicht seine Stärke. Und seine manifestartigen Thesen zum „ecological fieldworker“, zum „biospherical egalitarianism“ oder auch zur „anti-class posture“ der Tiefenökologie wirken eklektizistisch. Dennoch formuliert er einiges, was noch heute zum festen Vokabular der Klimagerechtigkeitsbewegungen gehört. Die mangelnde Selbstständigkeit seines Ökophilosophischen Entwurfs verweist jedoch vor allem auf Konzepte, denen wir uns in Zukunft widmen werden.
    On another note gestaltet sich die kapitalistische Landnahme im Meer schwierig. Das Element Wasser ist schlecht greif- und eingrenzbar. Über zwei Drittel der Erdoberfläche sind aber azzuro – die Erde steht im Grunde unter Wasser. Wie der Mensch des modernen Nationalstaats, dem Grenzen wichtig sind, damit umgeht, ist Gegenstand der Unterhaltung zweier Reisebekanntschaften auf hoher See; ein eigentümlich gegen den Wind Anschreiender und ein poetisch veranlagter Seerechtsexperte, der mit seinem wienerischen Dialekt ringt, informieren uns ganzheitlich und nachhaltig – von Atlas’ Spaerlebnissen bis zum Tieflandsockel.

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  • 27. Dialektik der Freizeit

    Über Langeweile, Hobby-Ideologie und Pseudo-Aktivität

    Kurz vor Frühlingsbeginn und dem allgemeinen Sprießen und Erblühen auch freizeitlicher Aktivitäten streuen Bruno und Jakob Pfeffer in die Suppe, bzw. Sand ins Getriebe all jener, die Freizeit für eine gute Sache halten. Der Protestler vom Dienst und Vorstand a. D. der bundesrepublikanischen Vereinigung der Spaßbremsen ("Fun ist ein Stahlbad"), Theodor W. Adorno, reicht uns Pfeffer bzw. Sand und weist uns in Richtung des Getriebes der Kulturindustrie, welches selbst dem unkritischsten Esser die Freizeit-Suppe versalzt, in aller Regel ohne dass er es bemerkt. Freizeit ist nämlich ohne Arbeitszeit nicht zu denken, und grundsätzlich verschieden vom eigentlich erst qualitativ bestimmbaren Begriff der Freiheit. Weiterhin sind zu scheiden Muße und Langeweile, wobei letztere die Verzweiflung markiert, zu ersterer nicht mehr die nötige Ernsthaftigkeit aufbringen zu können. Sinnstiftend sind weder Hobbies (wer sich ernst nimmt, erschrickt bereits ob der Frage nach ihnen) noch blinde Aktivität – beide füllen jedoch zu große Quanten unserer Freizeit. Dabei sollten wir keine Angst haben, vor Papa Adornos Augen nur als kulturkonservative Ernsthaftigkeitsfanatiker Gnade zu finden; im Gegenteil lässt sich auch ernste Blödelei betreiben, solange sie von freier Expression lebt und durch eigene Phantasie produziert wird. Was uns an Freizeitangeboten vorgesetzt wird, sollten wir jedoch in den allermeisten Fällen als Organisation unserer Freiheit ablehnen, was wie immer leichter gesagt als getan ist. Doch es lohnt sich: Wir können die Chance wahren auf echten Genuss und wirkliche Erlebnisse abseits der Eventkultur.

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  • 26. Mensch und Erde

    Ökophilosophie mit Lachen und Schmelzen

    Wir kommen aus der Winterpause und machen erstmal unseren Neuigkeiten Luft. Bruno will Luftverkäufer werden. Jakob begräbt seine passivistischen Ambitionen. Nebenbei erfinden wir den AirPod und die Kaufhäuser ganz neu. Im Podcast vollziehen wir endlich die ökologische Wende und sprechen die erste Folge "Lachen & Schmelzen" ein. Das Element des Kapitalisten ist das Feuer. Betrachten wir den Umgang des Menschen mit seiner Umwelt, dann entfaltet sich schnell ein Bild der Zerstörung. Ludwig Klages, umstrittener Lebensphilosoph und Neoromantiker – wenigstens in Sachen Ökologie – inspiriert uns zum Auftakt mit seinem Gründungstext der deutschen Ökologiebewegung "Mensch und Erde" von 1913, und wir lassen uns von seinem Pathos tragen. Ist es der Mensch, der die Natur unter der christlichen und aufklärerischen Maxime der Naturbeherrschung und Nutzbarmachung vernichtet? Nein! Es ist spezifischer der westliche "Kulturmensch", der nicht bloß Flora, sondern auch Fauna bevorzugt verbrennt, ausrottet, häutet und sich dann als Schal umlegt. Fortschrittlichste Kulturen, die in aller Regel kein Interesse daran hatten, die Natur zu zerstören, sondern mit und in ihr lebten, wertet der westliche Mensch im Geiste des Christentums als zurückgeblieben ab, wodurch er sich selbst das Recht verleiht, auch jene Völker anderer Kulturen auszurotten wie die Tiere. Er wähnt sich als Gewinner, schadet dabei jedoch nur sich selbst; seine Ethik wird eine reine Nutzenethik, er hält ein falsches Menschenbild aufrecht (denn auch er steht in seiner Umwelt und ist auf sie stetig bezogen und angewiesen), wird stumpf und verliert sein ästhetisches Empfinden und Spüren. Dieser Mensch hat sich seine Weltoffenheit verspielt. Und heute muss er sich fragen, ob die Welt selbst noch offen genug ist, nämlich empfänglich wäre für die Veränderung, die der Mensch bräuchte, um nicht endgültig Opfer seiner katastrophal fehlgeleiteten Mentalität zu werden. Herzlich willkommen im Jahre 2023 mit Lachen & Schmelzen!

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  • 25. Anlasslose Feste

    Feiern in der Spätmoderne oder die Ästhetisierung der Lebenswelt

    Bald weihnachtet es und Weihnachten ist ein Fest. Was daran noch feierlich ist besprechen wir am 24.12. Vorab gilt es zu klären – Wie wird überhaupt gefeiert in nachmetaphysischen Zeiten? Religion und Politik geben nicht mehr den Ton an, also behelfen wir uns durch Ästhetisierung und probieren, das Fest zum Alltag zu machen. Dass damit ein alter Traum der Romantiker verwirklicht wird, hilft wenig, denn es funktioniert immer noch nicht. Funktioniert haben die Feste einmal, sie vergegenwärtigten das Leben in Ausnahmesituationen und stifteten höheren Sinn. Das und mehr lernen wir vom Heidelberger Philosophen Rüdiger Bubner, dessen Thesen zur "Ästhetisierung der Lebenswelt" wir besprechen. Aber ist wirklich alles sinnlos geworden? Einige Rettungsversuche auch zu Gunsten der anlasslosen Feste unternehmen wir freilich. Selbst wenn "nichts" mehr gefeiert wird, geschehen beim Feiern doch wichtige Dinge!

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  • 24. Die Grenzen der Gemeinschaft (mit Jens Heise)

    … und die Grenzen der Grenzschrift von Plessner

    Auch in jüngeren Jahren schrieb Helmuth Plessner bereits gute Bücher. Mit unserem Gast Jens Heise von der Uni Heidelberg widmen wir uns Plessners soziologischem Erstling, den "Grenzen der Gemeinschaft". Nach einiger Arbeit am Text wenden wir uns den Problemen der Jetztzeit zu und damit den möglichen Grenzen der Grenzschrift. Hierbei unterstützt uns Andreas Reckwitz. Hat nicht die Gesellschaft, für die sich Plessner rückhaltlos ausspricht, selbst ein Radikalisierungspotenzial? Produziert sie heute nicht mehr denn je soziale Vereinzelung und leistet damit einer Politisierung von Gemeinschaftslogiken wieder Vorschub? Oder muss sich das spätmoderne Subjekt dieser Vereinzelung um der Gesellschaft willen anpassen, muss es ein hybrides werden? So gewinnt schließlich ein an die postmoderne anschlussfähiger Plessner Konturen.

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  • 23. Ausweglosigkeit (mit Florian Arnold)

    Zeitgeist im Zirkel, in Sackgassen, in Ratlosigkeit

    Wohin gehen, wenn uns das Gefühl der Ausweglosigkeit beschleicht? Mit Philosoph und Designtheoretiker Florian Arnold malen wir uns das Theorem der Ausweglosigkeit in allen Facetten aus. Das führt uns in Krisenzeiten auf Abwege, Umwege und zuletzt auf Holzwege. Im Dickicht finden wir uns nicht nur der anthropologischen Gefahrensituation ausgesetzt, sondern findet sich womöglich auch erst die Fährte zu den Quellen, wenn die eingelaufenen Trampelpfade verlassen werden. Wie aber Kampf und Gewalt im Lichte der Ereignisse entgehen? Durch Gelassenheit? Um jene muss Maxim Klusch in der Popmusikanalyse zu "Layla" mächtig ringen.

    Inhalt:

    00:00:00 Begrüßung, Steady

    00:05:59 Krisenzeiten

    00:14:22 Zeitenwende, Geschichte und Katastrophe

    00:26:45 Anthropologische Ausweglosigkeit und Flirt mit dem Bösen

    00:38:52 Pessimismus

    00:43:56 Theoretische Ausweglosigkeit: Aporie und Zirkel

    00:57:26 Popmusikanalyse: Kulturkampf "Layla"

    01:08:18 Kampf, Gewalt, Ereignis

    01:21:04 Historische Ausweglosigkeit?

    Literatur:

    Georg Simmel Der Krieg und die geistige Entscheidung (1917).
    Walter Benjamin Über den Begriff der Geschichte (1940) und Kritik der Gewalt (1921).
    Arthur Schopenhauer Die Welt als Wille und Vorstellung (1819/1844/1859).

    Unser Gast Florian Arnold im Internet:

    und auf dem Buchmarkt (Auswahl):

    • Logik des Entwerfens. Eine designphilosophische Grundlegung, Wilhelm – Fink Verlag, Paderborn 2018.
    • Die Architektur der Lebenswelt. Entwürfe nach der philosophischen Anthropologie Hans Blumenbergs, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a. M. 2020.

    In unserer kommenden "II. Folge" sprechen wir mit Florian Arnold über den großen Werner Herzog zu dessen 80. Geburtstag.

    Florian Arnold war schon einmal bei uns zu Gast, damals sprachen wir über sein Buch Die Architektur der Lebenswelt und die Anthropologie Hans Blumenbergs. Hier nachhören!

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  • 22. Der Vater aller Dinge

    Vom Krieg und seiner Verhütung

    Ist der Krieg eine organisierte Zerstörung mit schaffendem Potenzial? Müssen wir dem Krieg das Kondom überstülpen? Wir halten schon qua Zeitgenossenschaft (Massenvernichtungswaffen) wenig von solcher Romantisierung, deutlich weniger teils als unsere mittlerweile historisch gewordenen Autoren Clausewitz und Nietzsche, zu deren Zeiten man noch in 'mannhafter' Duellsituation sich gegenüberstehend kämpfen konnte. Bereits desillusioniert ist Sigmund Freud, der den Ersten Weltkrieg miterlebte und bis an den Rand des zweiten lebte, von dessen Vorwehen er bereits in die Flucht getrieben wurde. Umso erstaunlicher, dass gerade er nicht nur sachlich und analytisch über den Krieg nachdachte, sondern auch moralfrei. Moralfreier dabei als selbst sein großer Vordenker Nietzsche.

    Inhalt:

    00:00:00 Hörspiel: Sprachverwirrungen im Kriegslager

    00:07:15 Ankündigungen, Berufe

    00:16:21 Der Vater aller Dinge? – Zeitenwende

    00:24:48 Nietzsches Kriegspathos bei Zarathustra – kontextualisiert

    00:38:13 Warum Krieg? – Freud

    01:04:20 Vom Kriege – das clausewitzsche Politikum

    01:22:49 Die politischen 5 Minuten

    01:27:54 Reale Bedrohungen und Ausblick

    01:37:52 Das Wort zum Sonntag

    Literatur:

    Carl von Clausewitz: Vom Kriege (1832-1834).

    Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Buch I, Vom Krieg und Kriegsvolke (1884).

    Sigmund Freud: Warum Krieg? (1932/33).

    In unserer kommenden "II. Folge" sprechen wir über Aggression.

    Danke an folgende Soundcrafter:

    freesound.org/people/kangaroovindaloo/sounds/…

    freesound.org/people/jobro/sounds/87136

    freesound.org/people/ciapaqua/sounds/637107

    freesound.org/people/aUREa/sounds/475246

    freesound.org/people/natemarler/sounds/338681

    freesound.org/people/joepayne/sounds/413204

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  • X. Sekundärliteratur

    Texte über Texte

    Nach Bildung, Fort-, Weiter- und Halbbildung beschäftigen wir uns mit zweiten und dritten Blicken auf das Primäre. Und zwar das wirklich wahre Erste: Den Text. Der Gegenstand des ersten Textes: Die Welt, die Realität – alle möglichen Gegenstände, außer! – andere Texte. Die Sekundärliteratur eben schaut auf andere Texte, und produziert in diesem Zuge wieder: Texte. Geisteswissenschaft als Kunst der Paraphrase? Schulphilosophie als Kommentieren und Kommentieren der Kommentare? Was bedeutet Autorschaft, und fehlt es an Autoren? An letzter Stelle steht ein Halbzitat: Es gibt nur gute und schlechte Bücher!

    Wir verabschieden uns hiermit bis Anfang September in eine kleine Sommerpause! Bleibt uns erhalten und erleidet keinen Hitzeschlag.

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